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Das Handbuch der modernen Stundenastrologie von Mona Riegger gliedert sich in drei Bereiche: das eigentliche Fragehoroskop, das Elektionshoroskop und das Konsultationshoroskop. Damit wird die grössere Reichweite der Stundenastrologie über die allgemein bekannte Frageastrologie hinaus markiert.
Der Band wird, nach Einführung in die wesentlichen Grundlagen, mit dem umfangreichen Kapitel zur Stundenastrologie eröffnet. Alle Theorie dazu wird knapp und prägnant abgehandelt, dafür den lebensnahen vielfältigen Beispielen aus mehreren Jahrzehnten reichlichen Platz gegeben. Diese Gewichtung gilt ebenfalls für den folgenden längeren Buchteil zu den Begegnungs- bzw. Konsultationshoroskopen, der mit spannenden, vitalen und kurzweiligen Fällen auch unterhält. Überlegungen und Beispiele zu Elektionshoroskopen, ein eher kurzes Kapitel, runden diese Veröffentlichung ab.
Was ist nun modern an dieser Stundenastrologie? Die Autorin hält sich wenig mit theoretischen Überlegungen auf und plädiert für die Einbeziehung der «modernen» Planeten nach Saturn, inklusive Lilith und Chiron; immer im Rahmen einfacher klassischer Deutungselemente wie auch traditioneller Zeichenzuweisungen zu den sieben alten Planeten. Bei den Häuserzuordnungen weicht die Autorin gelegentlich von klassischen Vorgaben nach Lilly ab. Ihre gut nachvollziehbaren Deutungen sprechen für diese Erweiterungen, und ein Verlust an Aussagefähigkeit gegenüber einem Vorgehen streng nach Lilly-Kriterien ist nicht bemerkbar in einer für die Beantwortung ausreichend grossen Deutungstiefe.
Es gelingt der Autorin, aus den Beispielhoroskopen, ihren Deutungen und den Fortentwicklungen ein spannendes, sehr dichtes Lesebuch – und gut begreifbares Lernbuch – zu kreieren, das man kaum aus der Hand legen mag. Ein mögliches Standardwerk im deutschsprachigen Raum, darf man vermuten, dem man viele Leser und Leserinnen wünscht. BUCH BESTELLEN
Rezension: Andreas Schmitt, Astrologie Heute, Heft 144

Die Autorin Mona Riegger (1957), geprüfte Astrologin (DAV). ist die Gründerin von Astrologie-in-Berlin und seit 1980 beratend und unterrichtend tätig. Ihre Schwerpunkte liegen im Bereich der Partnerschaftsastrologie und der Stundenastrologie.
LESEPROBE
Warum funktioniert die Stundenastrologie?
Dass die Stundenastrologie funktioniert, dass also stimmige Aussagen zu Fragen und Begegnungen gemacht werden können, daran gibt es für mich keinen Zweifel. Viel schwieriger war jedoch die Phase des Erkennens, wieso sie funktioniert. Warum stand zum Zeitpunkt einer Frage das Ergebnis schon fest? Wie war dies mit meinem festen Glauben an den freien Willen eines Menschen in Einklang zu bringen?
Anders als in einem Geburtshoroskop, bei dem es immer mehrere Möglichkeiten gibt, wie sich eine Konstellation auswirken kann, haben die Antworten eines Stundenhoroskops durchaus deterministische Züge. Die Nähe zum Orakelhaften, die Kritiker der Stundenastrologie stets anführen und die für sie ein Grund ist, sie ablehnen, ist auf den ersten Blick nicht von der Hand zu weisen. Es dauerte einige Jahre, bis ich selbst ein Erklärungsmodell gefunden hatte, mit dem ich leben konnte. Auch mit den Teilnehmern meiner Seminare gab es zum Thema Determinismus immer wieder Gesprächsbedarf und mitunter auch sehr philosophische Diskussionen. Bei aller Faszination bekamen manche auch eine Gänsehaut, wenn sie sahen, wie klar und deutlich eine Frage zum Beispiel mit Nein zu beantworten war und sich später tatsächlich herausstellte, dass die Angelegenheit negativ ausging.
Ich bin auch nach fast drei Jahrzehnten der Beschäftigung mit der Stundenastrologie immer noch der festen Überzeugung, dass wir selbst Weber unseres Schicksals sind und jeder Tag eine neue Chance in sich birgt, die Weichen unseres Lebenslaufes neu zu stellen. Es scheint jedoch große Weichenstellungen zu geben und kleine. Und um die kleinen Weichenstellungen geht es meiner Meinung nach bei der Stundenastrologie.
Jede Frage eine Reise
Beim Thema Weichenstellungen liegt der Gedanke an Züge und Reisen nicht fern. Wenn jemand eine Reise mit der Bahn machen will, hat er in den meisten Fällen ein Ziel, erwirbt eine Fahrkarte vom Ausgangsort zum Zielort und steigt zum Abfahrtszeitpunkt in den Zug. Ähnliches könnte sich beim Stellen einer stundenastrologischen Frage auf anderer Ebene abspielen: Im Unterbewussten entscheidet ein Mensch eine Erfahrung zu machen, das heißt symbolisch, von A nach B zu reisen. Er stellt eine Weiche und steigt in den Zug, indem er sich zum Beispiel verliebt, sich um einen Job bewirbt, sich selbständig macht oder einen Hauskauf ins Auge fasst. Irgendeine Instanz in ihm hat sich für das noch unbekannte Ziel B entschieden, obwohl dort unter Umständen keine beglückende Erfahrung im herkömmlichen Sinne auf ihn wartet. Aber immerhin eine Erfahrung, die ihn in seiner Entwicklung weiterbringen dürfte. Während der Bahnfahrt beginnt es unseren Reisenden plötzlich zu interessieren, wohin die Reise eigentlich geht und er fragt deshalb einen Mitreisenden. Dieser schaut in den Fahrplan und gibt ihm die Antwort. Symbolisch gesehen steht der gefragte Mitreisende natürlich für den Astrologen und der Fahrplan für das Stunden- bzw. Fragehoroskop.
In dem Moment, in dem jemand eine stundenastrologische Frage stellt, ist er oder sie auch bereit für die Antwort, selbst wenn mit der Antwort klar wird, dass aus der neuen Liebe nichts wird, dass man den Job nicht bekommt, dass die geplante Selbständigkeit auf zu viele Hindernisse stößt oder dass von einem Hauskauf in diesem Jahr nichts zu sehen ist.
Mittels eines Stundenhoroskops einen Fahrplan in Händen zu halten, der anzeigt, wohin die Reise geht und welche Erfahrungen sie bereithält, hat nichts Orakelhaftes an sich. Im Grunde genommen hilft es dem Fragesteller nur dabei, sich bewusst zu machen, für welche Erfahrung er sich unbewusst entschieden hat. Wenn man es genau nimmt, ist ein Stundenhoroskop nichts anderes als ein vergrößerter Ausschnitt eines Geburtshoroskops. Dieser Ausschnitt zeigt eine kurze Wegstrecke im Laufe eines Lebens.
Wie lange ein Stundenhoroskop „wirkt“ bzw. welchen Zeitraum es abdeckt, ist immer abhängig vom Thema und der individuellen Erfahrungsebene. Dass es definitiv nur drei Monate oder ein halbes Jahr gültig sein soll, hat sich in meiner Praxis nicht bestätigt. Manchmal braucht ein „Reisender“ acht Stunden zum Ziel B, manchmal zwei Jahre. Wenn er aber am Ziel angekommen ist, verliert das Stundenhoroskop seine Gültigkeit. Was danach geschieht, bzw. welche neuen Weichen dann gestellt werden, ist im aktuellen Stundenhoroskop nicht mehr thematisiert.
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